Bezüge

Medizinische Möbel bezieht man hauptsächlich mit Lederimitaten, die in der Basis über ein Baumwoll- und/oder Polyestergewirke verfügen, welches mit einer PVC-Verbundmasse bestrichen und ggf. bedruckt wurde. Besonders hochwertige Lederimitate wie unsere TREND-Kollektion erhalten zusätzlich in der Oberfläche einen Schutzfilm auf Polyurethanbasis, um einen angenehm „hautigen“ Griff und leichte Reinigung sowie Pflege zu erreichen.

Alle lösungsmittelhaltigen Reinigungs- und Desinfektionsmittel führen zu einer Versprödung der Lederimitate. Da wir keinen Einfluss auf die Zusammensetzung dieser Mittel haben können, klären Sie bitte mit Ihrem Lieferanten die Eignung der Produkte ab. Eigenartigerweise akzeptieren unsere Kunden nach einer gewissen Lebensdauer Verschleißerscheinungen an ihren Autoreifen, erwarten aber, dass ein Lederimitat nach jahrelanger Nutzung noch wie neu aussieht. Hier hoffen wir auf die Einsicht unserer Kunden und haben für unsere Liegen werkzeuglos bzw. einfach zu tauschende günstige Wechselpolster entwickelt, so dass ein Polstertausch ohne große Betriebsstörung möglich ist.

Lederbezüge verwenden wir vornehmlich bei Sitzmöbeln im Wartezonenbereich. Hier unterscheiden wir zwischen Kernleder, Oberleder, Spaltleder und Regenerat.

Zunächst sei einmal erklärt, dass wir ausschließlich Leder vom Rind verwenden, was angesichts zunehmender asiatischer Produktionen unter europäischen Herstellernamen nicht mehr selbstverständlich ist (Schweinehaut). Eine Rinderhaut ist im Urzustand ca. 5-6 mm stark und kann in dieser Stärke für unsere Zwecke nicht verarbeitet werden. Vornehmlich für Freischwinger wie z.B. unser Modell LAURA wird das Material auf eine Stärke von ca. 2,8 mm gespalten. Für dieses Modell gewinnen wir unsere Zuschnitte wegen der erforderlichen Festigkeit ausschließlich aus dem Rücken- und Schulterbereich.

Abgesehen von diesem besonderen Modell benötigen wir für unsere Polsterzwecke das Leder in einer Stärke von 0,9 bis 1,1 mm. Die Rinderhaut wird deshalb aufgespalten. Die dabei gewonnene oberste Haut bildet das wertvolle Oberleder, weil hier die original Hautporen und Haarkanäle vorhanden sind, welche dem Leder die einzigartige Eigenschaft verleihen, bis zu 40% seines Eigenvolumens an Feuchtigkeit aufzunehmen, so dass der unangenehme ”feuchte Sitz“ bei dieser Qualität vermieden wird. Leider ist nicht jede oberste Haut für diese Superqualität geeignet, weil Verletzungen der Haut ein Abschleifen und Egalisieren der Oberfläche notwendig machen. Die so geschliffene Haut wird mit einer Oberflächenbeschichtung und Prägung versehen. Sie haben dann zwar immer noch eine 1. Qualität der Haut - aber in einer B-Sortierung.

Unterhalb dieser Oberhaut liegt das Spaltleder, welches erst durch den Einsatz von Ausrüstung, Decklacken und Prägung zu einem verkäuflichen Leder wird. Durch die nachträgliche Prägung haben wir auf dieser Haut ein durchgängig gleichbleibendes Narbenbild, was beim Zuschnitt zu erheblichen Einsparungen führt und dieses Leder für preisgünstige Erzeugnisse prädestiniert. Je minderwertiger die Haut ist, umso stärker muss die Ausrüstung aufgetragen werden, was im Extremfall zu einem dachpappeartigen Griff führen kann. Infolge der starken Ausrüstung beobachtet man ein vorzeitiges Brüchigwerden des Lederbezugs. Die Haltbarkeit von Spaltleder ist ohnehin wesentlich geringer als beim Leder 1. Wahl.

Als Regenerat bezeichnet man ein aus Lederresten gewonnenes Oberflächenmaterial, wo Reste von Leder zerkleinert und wieder zusammengeleimt werden. Damit der notwendige Zusammenhalt gewährleistet ist, erfolgt der Ausstrich dieser Restemasse auf einem textilen Untergrund. Nach der Aushärtung wird das Material gefärbt, geprägt und aufgerollt - fertig ist die Endlos-Kuh von der Rolle! Das ist äußerst praktisch für die Produktion, hat aber mit den Eigenschaften von Leder nichts mehr zu tun. Dieses Regenerat wird unter mannigfachen Phantasiebezeichnungen auf den Markt gebracht. Wir nennen das Material „REKO“-Leder, um unsere Kunden nicht irrezuführen. Leider können wir aus Wettbewerbsgründen nicht auf den Einsatz dieser Ware verzichten, zumal ca. 80% unserer Ledermöbel in dieser Qualität gekauft werden. Fatalerweise duftet das Regenerat-Leder durch die eingesetzte Chemie wie herrliches Leder. Der von uns wahrgenommene „typische“ Ledergeruch stammt ja nicht ursprünglich vom Leder, sondern vielmehr aus der Gerbung. Selbst die Lederreste sind organischen Ursprungs und müssen dieser Gerbung zur Konservierung unterzogen werden.

Letztendlich finden wir als Bezugmaterial die Möbelstoffe, welche wir hier nur kurz streifen wollen. Wegen der guten Pflegeeigenschaften setzen wir unseren flammhemmenden Möbelstoff FIREFLEX aus TREVIRA-CS ein. Besonderen Wert legen wir auf eine hohe Scheuerfestigkeit. Vielfach wird Jeans-Kleidung getragen, die aufgrund ihrer Struktur eine besonders abrasive Belastung für Möbelstoffe darstellt. Für die Beurteilung der Scheuerfestigkeit hat man die Prüfung EN ISO 12947 nach dem Martindale-Verfahren entwickelt, wo ein definiertes Scheuermittel-Gewebe mit einem bestimmten Druck auf einem zu prüfenden Gewebe drehend bewegt wird. Die Zahl der Drehbewegungen bis zur Probenzerstörung wird ermittelt und als xxxxx-Martindale benannt. Ein Wert von ca. 8.000 Martindale gilt für Stoffe im Haushalt als ausreichend. Bei unseren Möbelstoffen, die im rauhen Berufsalltag eingesetzt werden, betrachten wir jedoch 80.000 Martindale als Mindestwert. Häufig überschreiten wir diesen Wert allerdings deutlich.